Leicesterschwester


Wie klingt die Welt?

Veröffentlicht in Musik von leicesterschwester am April 3, 2008

Geräusche beschäftigen mich im Allgemeinen spätestens seit ich angefangen habe, Geige zu spielen und damit selbst solche produziert habe, und im Besonderen seit sie Thema meines Dissertationsprojektes sind.

Hier in Leicester fällt mir besonders auf, wie laut eine Stadt sein kann. Ständig höre ich etwas, wie z.B. jetzt Stimmen von der Straße, die Sirenen von den NHS-Wagen, das ins Schloss fallende Tor meines Wohnheims, Autos, Musik, meine Mitbewohnerinnen (die immer und zu jeder Tages- und Nachtzeit), das Summen meines Computers, das Klappern der Tasten beim Schreiben…

Wie wenig macht man sich die Geräusche um einen herum bewusst, die man täglich hört. Es ist natürlich auch gut, dass es möglich ist, Geräusche auszublenden, obwohl die Gehörsfunktion eigentlich nicht abgestellt werden kann.  Trotzdem geht einem einiges verloren, beim taub durch die Welt laufen. Um ihre Ohren und ihre Wahrnehmung zu trainieren, üben sich einige Komponisten im Soundwalk. Das ist ein Spaziergang, bei dem man sich speziell auf die Geräusche konzentriert und diese verinnerlicht. Das kann gleichzeitig aufgenommen oder einfach nur zur Inspiration genutzt werden. Ich entdecke jedes Mal etwas Neues, wenn ich so durch die Stadt gehe. Heute zum Beispiel einen kleinen Vogel (erstaunlich, dass es hier Natur gibt *g*), der unter einem Dach saß und ganz leise piepste, und wie unterschiedlich Absatzschuhe je nach Größe und Gewicht ihrer Trägerinnen auf scherbenbedecktem Pflaster klingen.

Die immer weiter um sich greifende akustische Separation durch mp3-Player und musikabspielende Handys wirken dem Wahrnehmen von Geräuschen natürlich entgegen. Also, Leute, Kopfhörer raus, Ohren auf und die Welt mal ganz anders entdecken!

Den Klang der Welt gibt es auch als Partitur.

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